VSA - Verein zum Schutz von Anlegerinteressen

Offener Brief

des

VSA – Verein zum Schutz von Anlegerinteressen

an die Mitglieder des Nationalrats der Republik Österreich sowie deren Ersatzmitglieder, namentlich:

Amesbauer Hannes, BA

FPÖ Kumpitsch Günther, Mag. FPÖ
Amon Werner, MBA ÖVP Kuntzl Andrea, Mag. SPÖ
Androsch Maurice, Ing. SPÖ Kuss-Bergner Angelika ÖVP
Angerer Erwin FPÖ Laimer Robert SPÖ
Antoni Konrad SPÖ Lasar David FPÖ
Bacher Walter SPÖ Lausch Christian FPÖ
Baumgartner Angela ÖVP Leichtfried Jörg, Mag. SPÖ
Bayr Petra, MA MLS SPÖ Lettenbichler Josef, Mag. ÖVP
Becher Ruth, Mag. SPÖ Linder Maximilian FPÖ
Belakowitsch Dagmar, Dr. FPÖ Lindinger Klaus, Ing., BSc ÖVP
Berger Ricarda FPÖ Lindner Mario SPÖ
Berlakovich Nikolaus, Dipl.-Ing. ÖVP Lintl Jessi, Dr. FPÖ
Bernhard Michael NEOS Loacker Gerald, Mag. NEOS
Bißmann Martha, Dipl.-Ing. (FH) PILZ Lopatka Reinhold, Dr. ÖVP
Bösch Reinhard Eugen, Dr. FPÖ Lueger Angela SPÖ
Brückl Hermann FPÖ Lugar Robert, Ing. FPÖ
Bures Doris SPÖ Mahrer Karl, BA ÖVP
Cox Stephanie, BA PILZ Marchetti Nico ÖVP
Deimek Gerhard, Dipl.-Ing. FPÖ Margreiter Doris SPÖ
Diesner-Wais Martina ÖVP Mölzer Wendelin FPÖ
Dönmez Efgani, PMM ÖVP Muchitsch Josef SPÖ
Doppelbauer Karin, Dipl.-Ing. NEOS Mühlberghuber Edith FPÖ
Drozda Thomas, Mag. SPÖ Nehammer Karl, MSc ÖVP
Duzdar Muna, Mag. SPÖ Neubauer Werner, BA FPÖ
Ecker Cornelia SPÖ Niss Maria Theresia, Dr., MBA ÖVP
Einwallner Reinhold, Ing. SPÖ Noll Alfred J., Dr. PILZ
Engelberg Martin, Mag. ÖVP Nussbaum Verena, Mag. SPÖ
Erasim Melanie, MSc SPÖ Obernosterer Gabriel ÖVP
Eßl Franz Leonhard ÖVP Ofenauer Friedrich, Mag. ÖVP
Feichtinger Elisabeth, BEd BEd SPÖ Ottenschläger Andreas ÖVP
Feichtinger Klaus Uwe, Mag. Dr. SPÖ Pewny Christian, Ing. FPÖ
Fichtinger Angela ÖVP Plakolm Claudia ÖVP
Friedl Klaudia SPÖ Plessl Rudolf SPÖ
Fürlinger Klaus, Mag. ÖVP Povysil Brigitte, Dr. FPÖ
Fürst Susanne, Dr. FPÖ Preiner Erwin SPÖ
Gahr Hermann ÖVP Prinz Nikolaus ÖVP
Gamon Claudia, MSc (WU) NEOS Rädler Johann ÖVP
Gerstl Wolfgang, Mag. ÖVP Ragger Christian, Mag. FPÖ
Gerstner Peter FPÖ Rauch Walter FPÖ
Gödl Ernst, Mag. ÖVP Rendi-Wagner Pamela, Dr., MSc SPÖ
Graf Martin, Mag. Dr. FPÖ Riemer Josef A. FPÖ
Graf Tanja ÖVP Ries Christian FPÖ
Greiner Karin, Mag. SPÖ Rosenberger Alois, Dipl.-Ing. ÖVP
Griss Irmgard, Dr. NEOS Rosenkranz Walter, Dr. FPÖ
Großbauer Maria ÖVP Rossmann Bruno, Mag. PILZ
Grünberg Kira ÖVP Sandler Birgit Silvia SPÖ
Gudenus Johann, Mag., M.A.I.S. FPÖ Schandor Christian, Dipl.-Ing. FPÖ
Hafenecker Christian, MA FPÖ Schartel Andrea Michaela FPÖ
Haider Roman, Mag. FPÖ Schatz Sabine SPÖ
Hammer Michael, Mag. ÖVP Schellhorn Josef NEOS
Hammerschmid Sonja, Mag. Dr. SPÖ Scherak Nikolaus, Dr., MA NEOS
Hanger Andreas, Mag. ÖVP Schieder Andreas, Mag. SPÖ
Haubner Peter ÖVP Schimanek Carmen FPÖ
Hauser Gerald, Mag. FPÖ Schmiedlechner Peter FPÖ
Heinisch-Hosek Gabriele SPÖ Schmuckenschlager Johannes ÖVP
Herbert Werner FPÖ Schnöll Stefan, Mag. ÖVP
Himmelbauer Eva-Maria, BSc ÖVP Schrangl Philipp, Mag. FPÖ
Höbart Christian, Ing. FPÖ Schrott Dominik ÖVP
Hochstetter-Lackner Irene SPÖ Schwarz Gabriela ÖVP
Höfinger Johann ÖVP Sieber Norbert ÖVP
Hofinger Manfred, Ing. ÖVP Singer Johann ÖVP
Holzinger-Vogtenhuber Daniela, BA PILZ Smodics-Neumann Maria, Mag. ÖVP
Holzleitner Eva Maria, BSc SPÖ Smolle Josef, Dr. ÖVP
Hörl Franz ÖVP Sobotka Wolfgang, Mag. ÖVP
Hoyos-Trauttmansdorff Douglas NEOS Stark Christoph ÖVP
Jachs Johanna, Mag. ÖVP Stefan Harald, Mag. FPÖ
Jarolim Johannes, Dr. SPÖ Steger Petra FPÖ
Jeitler-Cincelli Carmen, Mag., BA ÖVP Steinacker Michaela, Mag. ÖVP
Jenewein Hans-Jörg, MA FPÖ Stöger Alois, diplômé SPÖ
Kainz Alois FPÖ Strasser Georg, Dipl.-Ing. ÖVP
Kaniak Gerhard, Mag. FPÖ Strolz Matthias, Mag. Dr. NEOS
Kassegger Axel, MMMag. Dr. FPÖ Svazek Marlene, BA FPÖ
Katzian Wolfgang SPÖ Taschner Rudolf, Mag. Dr. ÖVP
Kaufmann Martina, MMSc BA ÖVP Troch Harald, Dr. SPÖ
Keck Dietmar SPÖ Tschank Markus, Dr. FPÖ
Kern Christian, Mag. SPÖ Unterrainer Maximilian, Mag. (FH) SPÖ
Kirchbaumer Rebecca ÖVP Vogl Markus, Ing. SPÖ
Kitzmüller Anneliese FPÖ Wagner Petra FPÖ
Klinger Wolfgang, Ing. FPÖ Wassermann Sandra FPÖ
Knes Wolfgang SPÖ Weidinger Peter, Mag. ÖVP
Kolba Peter, Dr. PILZ Wimmer Petra SPÖ
Kollross Andreas SPÖ Winzig Angelika, Dr. ÖVP
Königsberger-Ludwig Ulrike SPÖ Wittmann Peter, Dr. SPÖ
Kopf Karlheinz ÖVP Wöginger August ÖVP
Kovacevic Christian SPÖ Wurm Peter FPÖ
Krainer Kai Jan SPÖ Yildirim Selma, Mag. SPÖ
Krenn Barbara ÖVP Yılmaz Nurten SPÖ
Krisper Stephanie, Dr. NEOS Zadić Alma, Dr., LL.M PILZ
Krist Hermann SPÖ Zanger Wolfgang FPÖ
Kucher Philip SPÖ Zarits Christoph ÖVP
Kugler Gudrun, Dr. ÖVP Zinggl Wolfgang, Mag. Dr. PILZ
Kühberger Andreas ÖVP

Der nicht auf den Tagesordnungen der 15. und 16. Plenarsitzungen genannte, und damit durch die Versicherungswirtschaft geheim in die Plenarsitzungen am 21.03.2018 eingebrachte Entwurf betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Versicherungsvertragsgesetz und das Konsumentenschutzgesetz geändert werden soll, ist verfassungsrechtlich fragwürdig (hierzu unter 1.) und mit geltendem Recht der Europäischen Union unvereinbar (hierzu unter 2.). Die daraus entstehende Staatshaftung und die damit verbundenen Kosten führen absehbar zu einer erheblichen Belastung des Staatshaushaltes der Republik (hierzu unter 3. und 4.). Ferner sollen Kosten aus Anlageverlusten nicht geschlossener Versicherungen auf die Konsumenten abgewälzt werden.

Der Gesetzentwurf darf im überragenden und höherrangigem Interesse der Republik kein Gesetz werden.

Im Detail:

        1. Verfassungsrechtliche Bedenken

Der Entwurf ist geheim. Unter grober Missachtung aller verfassungsrechtlichen Gebote und parlamentarischer Übung wurde der Entwurf nicht verfassungsgemäß in das Gesetzgebungsverfahren eingebracht. Wir erinnern:

Wie ein Gesetz zustande kommt, muss genauestens geregelt sein: zu wichtig sind seine Auswirkungen. Die Gesetzgebung muss einerseits einem fairen, nachvollziehbaren Ablauf folgen, andererseits die Öffentlichkeit informieren. Formvorschriften und Fristen sind dabei besonders wichtig für die Transparenz (Nachvollziehbarkeit).

Quelle: https://www.parlament.gv.at/PERK/GES/WEG/

Der Entwurf wurde nicht als Regierungsvorlage auf der Website des Parlaments veröffentlicht. Er wurde nicht als Regierungsvorlage in den Nationalrat gemäß Art. 41 B-VG, § 21 Abs. 1 GOG-NR eingebracht. Der Entwurf wurde nicht als selbständiger Antrag oder Initiativantrag in einer Sitzung des Nationalrates gemeinsam schriftlich als Gesetzesantrag gemäß Art. 41 B-VG, § 26 GOG-NR eingebracht.

Der Entwurf wurde auch nicht durch einen Ausschuss des Nationalrates nach Beratung des Gesetzesantrages gemäß § 27 GOG-NR eingebracht. Insbesondere wurde der Entwurf nicht in der 1. Sitzung des Finanzausschusses vom 13.12.2017 oder der 2. Sitzung des Finanzausschusses vom 14.03.2018 beraten.

Ferner wurde der Entwurf auch nicht als Gesetzesantrag des Bundesrates gemäß Art. 41 B-VG, § 21 Abs. 1 GOG-NR, oder als Volksbegehren eingebracht.

Tatsächlich ist nach unserer Kenntnis Herr

Mag. Christian Eltner
Leitung Recht und Internationales
T +43/1/711 56-251
christian.eltner@vvo.at,

welchem die Leitung der Abteilung „Recht und Internationales“ beim Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs (VVO) obliegt, Autor des Entwurfs.

Quelle: https://www.vvo.at/vvo/vvo.nsf/033bc38c04cb4a8bc12574dc005de1e4/d2c27fb51442cfd3c1257c37005b8fbc?OpenDocument

Der Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs (VVO) ist ein Verein mit Sitz in Wien. Zweck ist die Förderung der gemeinsamen Interessen der in Österreich tätigen privaten Versicherer. Weder Herr Mag. Christian Eltner, noch der Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs (VVO) sind Abgeordnete des Nationalrates. Nach Ansicht des VSA stellen diese auch nicht die Regierung der Republik Österreich oder sind Teil eines Gesetzgebungsausschusses.

Das Vorgehen gleicht dem der 1918 in der Republik abgeschafften Geheimen Räte, welche die Spitze eines kaiserlichen Hofstaates stellten.

Der geheim und unter gezieltem Ausschluss der Öffentlichkeit zur Abstimmung in der 15. Plenarsitzung des Nationalrates am 21.03.2018 eingebrachte Entwurf ist mit dem Geist der freiheitlich parlamentarischen Demokratie der Republik Österreich nicht zu vereinen. Der Entwurf ist von der Tagesordnung zu nehmen und unter Einbeziehung der Öffentlichkeit der Republik als Gesetzentwurf einzubringen.

      1. Unvereinbarkeit mit Europäischem Recht

Der Entwurf wiederholt den Fehler der Bundesrepublik Deutschland, die schon 2013 durch den EuGH in „Endress-Entscheidung“ rechtsverbindlich festgestellt und korrigiert wurden (C-209/12 vom 19.12.2013).

Sollte der Gesetzentwurf in Kraft treten, so setzt sich die Republik Österreich sehenden Auges in eklatanten Widerspruch zur 3. Lebensversicherungsrichtlinie (92/96/EWG vom 10.11.1992), der „Endress-Entscheidung“ und dem europarechtlichen Wirksamkeitsgrundsatz.

Tatsächlich versucht der Gesetzentwurf 2018 erneut eine Bestimmung einzuführen, die fast wortgleich der entspricht, die mit dem VersVertrRÄG 2017 vom Finanzausschuss zu Recht zurückgezogen wurde und mit der „Endress-Entscheidung“ schon 2013 ausdrücklich als europarechtswidrig verworfen worden ist.[1]

Der nationale Gesetzgeber darf kein Präjudiz zu Lasten des nicht oder falsch belehrten Konsumenten regeln. Eben genau dieses „Präjudiz“ soll der Entwurf ausweislich der Gesetzesbegründung aber schaffen.

Ferner untersagt die „Endress-Entscheidung“ dem nationalen Gesetzgeber ausdrücklich dem Gesichtspunkt der „Rechtssicherheit“ Vorrang vor dem Schutz des durch die 3. Lebensversicherungsrichtlinie verliehenen Konsumentenrechts zu geben. Der EuGH hat mehrfach entschieden, dass ein Verbraucher ein Rücktrittsrecht nicht ausüben kann, wenn es ihm nicht bekannt sei.

Es ist hier ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass der in der „Endress-Entscheidung“ zu prüfende Vertrag im Zeitpunkt der Rücktrittserklärung schon durch Kündigung beendet war.[2]

Der Zeitraum, in dem ein Konsument sein Rücktrittsrecht ausüben darf, kann nach „Endress-Entscheidung“ nicht mit der Forderung nach „Rechtssicherheit“ für die Versicherungswirtschaft beschnitten werden.

      1. Unerlaubte Beihilfe

Wird nun betroffenen Konsumenten das Recht genommen von Versicherungsverträgen zurückzutreten und die Versicherung rückabzuwickeln, verbleiben den Versicherungsunternehmen in der Republik Österreich durch eine nationale Regelung wirtschaftliche Werte in Milliardenhöhe, die sie ohne das beabsichtigte Gesetz wieder an den Konsumenten hätten zurückzahlen müssen. Die österreichischen Versicherungsunternehmen könnten mit den rechtsgrundlos erlangten Versicherungsbeiträgen erzielten Zins- und Anlagengewinne in Milliardenhöhe endgültig einstreichen.

Werden aber bestimmten Unternehmen – wie hier der Versicherungswirtschaft – in einem EU- Mitgliedsstaat durch staatliche Maßnahmen direkte oder indirekte Vorteile jeder Art gewährt, so handelt es sich um eine verbotene EU-rechtliche Begünstigung. Diese Begünstigung österreichischer Lebensversicherungen verfälscht den Wettbewerb und beeinträchtigt hierdurch den zwischenstaatlichen Handel.

Nach Art. 108 Absatz 3 Satz 1 AEU-Vertrag sind Beihilfen vor ihrer Vergabe bei der Kommission anzumelden und von ihr genehmigen zu lassen. Das ist nicht erfolgt.

Beihilfen sind rechtswidrig, wenn sie unter Verstoß gegen die Anmeldepflicht des Art. 108 AEU-Vertrag gewährt werden. Dabei ist unerheblich, ob die Anmeldung vorsätzlich unterlassen wurde oder in gutem Glauben auf fehlende Beihilferelevanz unterblieb.

Mithin ist damit auch das geplante Gesetz rechtswidrig.

      1. Staatshaftung Österreich

Sollte sich der österreichische Gesetzgeber an die Grundregeln des Europäischen Rechts tatsächlich nicht gebunden fühlen, so muss er für den dadurch entstandenen Schaden selbst einstehen und haften.

Ein Mitgliedsstaat der EU, der seine Pflichten zur Umsetzung und Anwendung Europäischen Rechts nicht erfüllt und damit den Konsumenten einen Anspruch nimmt, den sie zuvor hatten, muss im Wege der Staatshaftung diesen Schaden selbst ausgleichen (Francovich-Entscheidung: EuGH, C-6/90 und C-9/90, Slg. 1991, 5357ff). Laut Berechnungen des VSA mindert der Gesetzesentwurf die Ansprüche der KonsumentInnen um mehr als EUR 13,5 Mrd. und trägt in sich das Risiko sowohl unabsehbarer Haftungen der Republik als auch Folgeprozesse aufgrund der offensichtlichen Klientelpolitik.

Sowohl die 3. Lebensversicherungsrichtlinie, als auch die „Endress-Entscheidung“ des EuGH sind dem Finanzausschuss bekannt. Trotz dieser Kenntnis scheint der Finanzausschuss fest entschlossen, einen Gesetzentwurf auf den Weg zu bringen, der ausschließlich den Interessen einer Klientelpolitik zu Gunsten der österreichischen Lebensversicherungswirtschaft dient.



Fazit

Die Autoren und Unterstützer des Entwurfes setzen die Republik mit Wissen und Wollen der Gefahr einer „Endress II-Entscheidung“ zum Nachteil des Landes aus.

Die Initiatoren des Gesetzentwurfes sind die vorstehenden Gefahren und Risiken für die Republik schon aus dem offenen Brief des VSA aus dem Vorjahr und der öffentlichen Diskussion bekannt. Dennoch bringen sie den Entwurf wortgleich erneut ein. Damit steht fest, dass die Initiatoren mit Wissen und Wollen und damit mit direktem Vorsatz handeln. Dies wird bei der drohenden Staatshaftung der Republik zu berücksichtigen sein.

Unübersehbar und einer mittlerweile breiten Öffentlichkeit bekannt ist dabei, dass Abgeordnete und ihre Fraktionen u.a. mit folgenden Versicherungsunternehmen eng verbunden sind

        • Wiener Städtische
        • Donau Versicherung
        • Uniqa

und teils als „Assekuranzanwälte“ für die österreichische Versicherungswirtschaft tätig sind oder waren. Dem Autor des Entwurfs, Herrn Mag. Christian Eltner obliegt die Leitung der Abteilung „Recht und Internationales“ beim Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs (VVO).

Vor dem Hintergrund des von der Versicherungswirtschaft selbst geschriebenen und nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit an den zuständigen Ausschüssen und Agenden der Plenarsitzungen des Nationalrates geheim eingebrachten Entwurfs bestehen massive Zweifel hinsichtlich der Unabhängigkeit als auch der Einhaltung der Empfehlungen der Staatengruppe gegen Korruption (GRECO) des Europarats hinsichtlich der aktuellen Entwicklungen.

Setzt sich der Nationalrat der Republik Österreich vor diesem Hintergrund dennoch wissentlich über diese hinlänglich bekannten Tatsachen hinweg, so setzen sie die Republik Österreich und diejenigen Parteien, die für diesen Gesetzentwurf stimmen, dem begründeten Vorwurf des offenen Lobbyismus im alleinigen Interesse der Versicherungswirtschaft aus.

Die im Vertrauen auf die Rücknahme des VersVertrRÄG 2017 gewählte neue Regierung der Republik Österreich muss sich fragen lassen, wie Sie zur dieser kalten Enteignung der Bürger und Pensionisten in diesem für die Altersvorsorge unentbehrlichen Anlageform steht.

Das internationale Renommee der Republik Österreich würde einen erheblichen Ansehensverlust erleiden. Das rechtspolitische Gewicht der Republik würde sowohl in der Kommission als auch allen anderen Organen der Europäischen Union nachhaltigen Schaden nehmen.


Der VSA fordert Sie auf, den vorliegenden Entwurf zurückzuweisen und der gesetzlich normierten Diskussion und Prüfung durch alle Beteiligten zuzuweisen. Alles andere wäre ein schlechter Dienst an Österreich, ein schlechter Dienst an den Konsumenten und eine katastrophale Optik nach außen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Markus J. Weyer

Obmann

VSA – Verein zum Schutz von Anlegerinteressen

[1] Gemäß § 5a Abs. 2 Satz 4 VVG a.F. der Bundesrepublik Deutschland sollte das Recht zum Widerspruch ein Jahr nach Zahlung der ersten Prämie erlöschen.

[2] Der Vorlageentscheidung zufolge beantragte Herr Endress bei der Allianz den Abschluss eines Rentenversicherungsvertrags mit Vertragsbeginn zum 1. Dezember 1998. Die Allgemeinen Versicherungsbedingungen und die Verbraucherinformation erhielt er erst mit dem Versicherungsschein. Im Zuge dieses Vertragsschlusses belehrte die Allianz Herrn Endress nicht hinreichend über die ihm nach § 5a VVG zustehenden Rechte. Nach dem Rentenversicherungsvertrag hatte Herr Endress ab Dezember 1998 über einen Zeitraum von fünf Jahren jährlich eine Versicherungsprämie zu zahlen. Als Gegenleistung hatte die Allianz ihm ab dem 1. Dezember 2011 eine Rente zu zahlen. Am 1. Juni 2007 teilte Herr Endress der Allianz die Kündigung des Vertrags zum 1. September 2007 mit. Im September 2007 kehrte die Allianz ihm den Rückkaufswert des Rentenversicherungsvertrags aus, der unter dem Gesamtbetrag der Versicherungsprämien zuzüglich Zinsen lag. Mit Schreiben vom 31. März 2008 übte Herr Endress sein Widerspruchsrecht nach § 5a VVG aus. Er forderte die Allianz auf, ihm sämtliche Prämien nebst Zinsen unter Abzug des bereits ausgekehrten Rückkaufswerts zurückzuzahlen.

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